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Internet Corporation for Assigned Names and Numbers

ICANN

Geschichte

Ursprünglich sollte die ICANN von einem 19-köpfigen Board of Directors geführt werden, von denen neun von der öffentlichen Nutzerschaft gewählt werden. Nachdem zunächst das Board übergangsweise intern besetzt wurde, fand im Jahr 2000 eine online durchgeführte Direktwahl für fünf Direktorenplätze statt, jeweils einer pro Kontinent. Drei der gewählten Direktoren sagte man eine Nähe zur ICANN nach, während mit Andy Müller-Maguhn für Europa und Karl Auerbach für Nordamerika zwei Kritiker gewählt wurden.[3] 2002 klagte Auerbach vor einem Superior Court in Kalifornien erfolgreich auf Einsicht in die Geschäftsbücher. Im selben Jahr wurde eine neue Satzung beschlossen, in der die ICANN neu strukturiert wurde und die öffentliche Direktwahl abgeschafft war. Die Amtszeit der fünf öffentlichen Vertreter endete 2003.

Die NTIA schlug im Februar 1998 im „Green Paper“ die Gründung einer neuen Non-Profit-Organisation vor, die mit der IANA-Funktion beauftragt werden sollte.[1] Am 5. Juni 1998 erklärte das NTIA im „White Paper“, die US-Regierung sei bereit eine solche Organisation anzuerkennen und mit der IANA-Funktion und anderen Aufgaben zu beauftragen.[2] Oktober 1998 wurde die ICANN im kalifornischen Marina del Rey gegründet. Michael M. Roberts wurde der erste Chief Executive Officer und Esther Dyson Vorstandsvorsitzende. Jon Postel sollte als Chief Technical Officer die IANA-Funktion fortführen, verstarb jedoch im selben Monat.

Im Jahr 2000 hat die ICANN sieben neue generische Top-Level-Domains (gTLD) zugelassen: .aero.biz.coop.info.museum.name.pro. 2004 folgten weitere sieben: .asia.cat.jobs.mobi.post.tel.travel.

Seit Juli 2010 unterstützen die Root-Nameserver des Domain Name Systems die Sicherheitserweiterung DNSSEC.

Im Februar 2011 hat die ICANN die letzten freien IPv4-Adressblöcke an die Regional Internet Registrys zugeteilt und auf IPv6 verwiesen, bei dem genügend freie Adressen zur Verfügung stehen.

Im Juni 2011 beschloss die ICANN, ein offenes, kostenpflichtiges Bewerbungsverfahren zur Einführung neuer generischer Top-Level-Domains durchzuführen. Das Bewerbungsverfahren läuft seit 2012, die Einführung von mehreren hundert gTLDs ist für 2013 geplant.

Im Dezember 2011 wurde .xxx in Betrieb genommen.

Im Juni 2012 bezog die ICANN einen neuen Hauptsitz in Los Angeles, wenige Kilometer vom alten Standort in Marina del Rey entfernt.

Aufgaben 

Damit das Internet funktioniert, müssen bestimmte Namen und Adressen weltweit einmalig sein. Deshalb vergibt die ICANN diese Namen und Adressen entweder direkt an anfragende Personen und Organisationen, oder in größeren Blöcken an regionale Organisationen, die die Weitervergabe regeln. Zu den Aufgaben der ICANN gehört die Durchführung der IANA-Funktion, die folgendes umfasst:

Daneben koordiniert die ICANN den Betrieb der Root-Nameserver und betreibt selbst einen davon. Auch die Verwaltung des DNSSEC-Schlüssels für die Root-Zone gehört zum Aufgabenbereich.

Nach ihrem Selbstverständnis arbeitet die ICANN basisorientiert („bottom up“), konsensgesteuert („consensus-driven“) und unter Einbeziehung verschiedener Interessensgruppen („multi-stakeholder model“).[5]

Rechtlicher Status 

Als zivilrechtliche Non-Profit-Organisation hat die ICANN keine staatlichen Befugnisse. Die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, etwa Registrys, wird daher über zivilrechtliche Verträge geregelt. Mit Hauptsitz in Kalifornien unterliegt die ICANN US-amerikanischer Rechtsprechung.

Die US-Regierung legitimiert die ICANN durch verschiedene Vereinbarungen und den Vertrag zur Durchführung der IANA-Funktion. Seit dem 1. Oktober 2009 ersetzt eine gemeinsame „Erklärung verbindlicher Vereinbarungen“ (Affirmation of Commitments) das bisherige Abkommen (Joint Project Agreement, JPA), womit Vertreter der Regierungen und betroffene Interessengruppen regelmäßig prüfen sollen, ob die ICANN ihren Aufgaben satzungsgemäß nachkommt.[6] Regierungsvertreter aller Staaten haben die Möglichkeit über das Governmental Advisory Committee (siehe Abschnitt Organisation) beratend an den ICANN-Tätigkeiten mitzuwirken.

Der IANA-Vertrag ist davon unberührt. In diesem sind die Anforderungen und Aufgaben der IANA-Funktion vorgegeben. So darf die ICANN etwa nicht eigenmächtig Änderungen an den Top-Level-Domains in der Root-Zone durchführen, sondern muss diese zur Freigabe an die NTIA geben, die wiederum VeriSign als Betreiber des „A“-Root-Nameservers zur Umsetzung der Änderung autorisiert.[7] Seit der ersten Beauftragung im Jahr 2000 erneuert die NTIA den befristeten Auftrag regelmäßig, zuletzt für den Zeitraum Oktober 2012 bis September 2015, mit Option zur Verlängerung bis September 2019. Die NTIA behält sich das Recht vor nach Auslauf des Vertrags den Auftrag anderweitig zu vergeben.

Organisation 

Die ICANN besteht aus verschiedenen Organen, deren Aufgaben in der Satzung der ICANN festgelegt sind. Zentrales Organ ist das aus 21 Mitgliedern bestehende Board of Directors, von denen 16 Mitglieder stimmberechtigt sind. Acht stimmberechtigte Board-Mitglieder werden von einem Nominierungskommittee gewählt und sieben von den ICANN-Organen ASO, ccNSO, GNSO und ALAC. Die Satzung sieht bei der Auswahl der Mitglieder eine geographische und kulturelle Diversität vor. Diese 15 Mitglieder wählen einen Kandidaten für die Position des Präsidenten und CEOs, der ebenfalls stimmberechtigtes Board-Mitglied wird. Fünf weitere Board-Mitglieder ohne Stimmrecht werden von beratenden Organen nominiert. Aus den bestehenden Mitgliedern ernennt das Board einen Vorsitzenden und einen Stellvertreter.Von 2003 bis 2009 war Paul Twomey Präsident und CEO. Seine Nachfolge übernahm Rod Beckstrom, der Juni 2012 seinen Vertrag auslaufen ließ. Seit September 2012 ist Fadi ChehadéPräsident und CEO der ICANN. Vorsitzender des Boards ist Steve Crocker, der 2011 die Nachfolge von Peter Dengate Thrush übernahm.

Address Supporting Organization [Bearbeiten]

Die Address Supporting Organization (ASO) vertritt die Interessen der Regional Internet Registrys (RIRs), die für die Vergabe von IP-Adressblöcken zuständig sind. Seit Oktober 2004 werden die Aufgaben der ASO von der externen Number Resource Organization durchgeführt, die von den RIRs gegründet wurde.[8] Der Umstand ist eher formaler Natur, faktisch sind die RIRs seit Gründung der ICANN an der Entwicklung von Richtlinien zur Adressvergabe beteiligt und haben Stimmrecht im Board of Directors.

Country Code Names Supporting Organization [Bearbeiten]

In der Country Code Names Supporting Organization (ccNSO) sind die Betreiber der länderspezifischen Top-Level-Domains (ccTLD) wie .at.ch.de oder .lu vertreten. Die ICANN legt hierbei die Liste der Zwei-Buchstaben-Kürzel nicht selbst fest, sondern übernimmt diese aus der ISO 3166. Hinzugekommen sind allerdings internationalisierte ccTLDs, also Länderkürzel in der jeweiligen Schriftsprache, zum Beispiel .中国 als Alternative zu .cn. Da die NTIA keine Verträge mit Staaten oder staatlich legitimierten ccTLD-Betreibern unterhält, fungiert die ccNSO als Sprachrohr zwischen diesen.

Den Betreibern von ccTLDs steht es frei eigene Richtlinien bei der Vergabe von Domainnamen anzuwenden, ein Konsens in der ICANN ist dazu nicht notwendig. Bereits 1998 hat die NTIA im „White Paper“ anderen Staaten die Autorität bei der Aufstellung von ccTLD-Richtlinien zugestanden: „Of course, national governments now have, and will continue to have, authority to manage or establish policy for their own ccTLDs.“[2]

Generic Name Supporting Organization [Bearbeiten]

Die Generic Names Supporting Organization (GNSO) entwickelt Richtlinien und Empfehlungen bezüglich generischer Top-Level-Domains (gTLD) wie .com.info.museum oder .net. Sie besteht aus Untergruppen zur Interessensvertretung von kommerziellen und nichtkommerziellen Registrants und Internetnutzern, Registrars und Registrys. Die GNSO entwickelt Richtlinien, um bei gTLDs etwa den freien Wettbewerb zu fördern, Namensstreitigkeiten aufzulösen oder den Umgang mit abgelaufenen Domain-Registrierungen zu regeln. Auch die Klärung rechtlicher und organisatorischer Fragen bei der Einführung neuer gTLDs liegt im Aufgabenbereich der GNSO.

Anders als ccTLDs unterliegen gTLDs einer stärkeren Regulierung durch die ICANN. Unternehmen, die Domainregistrierungen unterhalb einer gTLD anbieten wollen, müssen sich entweder kostenpflichtig als Registrar durch die ICANN akkreditieren lassen oder Reseller eines akkreditierten Registrars werden.

Advisory Committees [Bearbeiten]

Daneben besteht die ICANN aus verschiedenen Beiräten, die hauptsächlich eine beratende Funktion haben. Im Board of Directors sind die meisten Beiräte ohne Stimmrecht vertreten. Dazu gehört das Governmental Advisory Committee (GAC), an dem Regierungsvertreter aus über 100 Staaten teilnehmen. Das GAC hat einen eigenständigen Sitz bei der EU-Kommission in Brüssel.

Das At-Large Advisory Committee (ALAC) versteht sich als Stimme des individuellen Nutzers, wobei jedoch nur Interessensvereinigungen und Nutzergruppen beitreten können. Über 170 Gruppen nehmen teil, unter anderem die Deutsche Vereinigung für Datenschutzdigitalcourage (vormals FoeBuD), das Netzwerk Neue Medien, die Humanistische UnionWikimedia Österreich undWikimedia CH. Ursprünglich in einer rein beratenden Funktion, stellt das ALAC seit einer Satzungsänderung Oktober 2010 auch ein stimmberechtigtes Mitglied im Board of Directors.[9]

Das Security and Stability Advisory Committee (SSAC) und das Root Server System Advisory Committee (RSSAC) geben Empfehlungen an das Board bezüglich Sicherheit und technischer Risiken. Das SSAC veröffentlicht Berichte zu spezifischen Fragestellungen, in denen es etwa davon abrät, internationalisierte Top-Level-Domains mit nur einem Zeichen einzuführen, oder Top-Level-Domains als punktlose Domainnamen in Form von http://example zu nutzen.[10]

Zwei weitere Beiräte stellen Schnittstellen zu anderen Organisationen dar. Die Internet Engineering Task Force (IETF) entwickelt technische Internetstandards, die von der ICANN genutzt bzw. in deren Richtlinien berücksichtigt werden, zum Beispiel DNSSECWhois oder das Internet Protocol. In der Technical Liaison Group (TLG) sind Vertreter des Europäischen Instituts für Telekommunikationsnormen, der ITU-T, des World Wide Web Consortiums und des Internet Architecture Boards.

Finanzierung [Bearbeiten]

Die ICANN finanziert sich aus Gebühren, die sie gegenüber gTLD-Registrys und gTLD-Registrars, ccTLD-Registrys und Regional Internet Registrys erhebt. Ein geringer Teil der Einnahmen besteht aus Sponsoring durch Unternehmen, die bei ICANN-Meetings werben. Für das Fiskaljahr 2012 waren im Juni selben Jahres Einnahmen in Höhe von 90 Millionen US$ projiziert. 71 Millionen US$ stammen aus den üblichen ICANN-Tätigkeiten und 19 Millionen US$ sind der erste Anteil der Bewerbungseinnahmen neuer gTLDs.[11] Für die Erbringung der IANA-Funktion ist seitens der NTIAkeine Bezahlung vorgesehen.

In der Gründungszeit, als die Finanzierungsstruktur noch nicht etabliert war, erhielt die ICANN Darlehen und Spenden von verschiedenen Kommunikationsunternehmen. Die Markle Foundationgewährte eine Förderung über 200.000 US$.[12]

Neue Domains [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Neue Top-Level-Domains

Im Zuge der Einführung neuer generischer Top-Level-Domains wurde die ICANN einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Nachdem 2000 und 2004 erste Testläufe durchgeführt wurden, hat die Organisation im Jahr 2012 die Einführung tausender neuer Endungen wie .blog oder .web vorbereitet, die für Mitte 2013 erwartet werden.[13] Für jede Bewerbung erhob die ICANN eine Gebühr von 185.000 Dollar, dazu kommen weitere Einnahmen im Falle der tatsächlichen Zulassung einer Domain. Insgesamt hat die ICANN durch das sogenannte "New gTLD"-Programm mehrere Millionen eingenommen.

Kritik [Bearbeiten]

Kritiker prägten für die ICANN den Begriff Weltregierung des Internets, zum Beispiel titelte Detlef Borchers im Juni 2000 einen Online-Artikel der NZZ: „I can, you can. Weltregierung von morgen oder globale Inkompetenz?“[14] Die ICANN selbst verwendet diesen Begriff nicht und beschränkt ihre Darstellung auf die Koordination und Verwaltung technischer Parameter.

Von verschiedenen Seiten wird das Management der Root-Nameserver kritisiert und es gibt einige Betreiber alternativer Root-Zonen. Die Motivation liegt dabei entweder darin Domain-Registrierungen unterhalb eigener Top-Level-Domains zu verkaufen oder die Einflussnahme der ICANN auf das Domain Name System zu mindern. Insbesondere die Abhängigkeit von der US-Regierung ist dabei häufig genannter Kritikpunkt, so etwa vom Open Root Server Network. Dieses betrieb von 2002 bis 2008 alternative Root-Nameserver hauptsächlich in Europa. Die Root-Zone wurde von den ICANN-Servern kopiert und Änderungen manuell gesichtet, es wurden keine eigenen TLDs verwendet. Bislang ist kein Fall öffentlicht bekannt, bei dem die USA das Domain Name System als politisches Machtinstrument gegenüber anderen Staaten eingesetzt hätten. Ein anderer alternativer Betreiber ist das OpenNIC-Projekt, das die kostenfreie Registrierung unterhalb von ungefähr einem Dutzend eigener TLDs erlaubt. Kritik fand auch, dass 9 der 13 Root-Nameserver ihren Standort in den USA hatten, was die Stabilität für Nutzer anderer Länder gefährden könnte. Mit der großflächigen Einführung von Anycast sind die Standorte nun jedoch weltweit verteilt.

Das Watchblog ICANNWatch.org berichtet seit 1999 kritisch über die Entwicklungen und Entscheidungen der ICANN. Seit 2010 gab es jedoch keine neuen Artikel.

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